Halbjahresbilanz Stahl: Produktion steigt

Die Rohstahlproduktion in Deutschland hat sich im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum spürbar erholt. Mit insgesamt 18,6 Mio. Tonnen lag sie rund neun Prozent über dem Niveau des Vorjahres.

Von einer nachhaltigen Trendwende könne jedoch noch keine Rede sein, so die Wirtschaftsvereinigung (WV) Stahl. Auf das Gesamtjahr hochgerechnet läge die Rohstahlproduktion mit rund 37 Mio. Tonnen weiterhin unter der Marke von 40 Mio. Tonnen, die für eine wirtschaftlich tragfähige Auslastung erforderlich ist. Schwerwiegender sei das weiterhin außergewöhnlich niedrige Niveau der Stahlnachfrage in Deutschland: Die Hauptkundenbranchen Bauwirtschaft, Maschinen- und Anlagenbau sowie Automobilindustrie entwickelten sich im bisherigen Jahresverlauf nur schwach.

„Die Produktionszahlen gehen aufwärts, echte Erholung beginnt aber erst, wenn auch die reale Stahlnachfrage zurückkehrt“, erklärt Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl. „Die steigende Produktion darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Stahlindustrie weiterhin in einer schwierigen Lage befindet. Die Zuwächse sind vor allem Ausdruck einer technischen Gegenbewegung, etwa durch wieder aufzufüllende Lagerbestände. Beunruhigender Fakt ist: Die Nachfrage aus unseren wichtigsten Kundenbranchen bleibt weiterhin viel zu schwach.“

Neben der schwachen Nachfrage im ersten Halbjahr 2026 war auch der Importdruck auf den EU-Stahlmarkt massiv. Wichtig ist das zum 1. Juli in Kraft getretene EU-Handelsschutzinstrument für Stahl. Es sieht länder- und produktspezifische Zollkontingente vor, bei deren Überschreiten ein Zusatzzoll von 50 Prozent greift. „Das Handelsschutzinstrument ist für den Stahlstandort Deutschland und Europa unverzichtbar“, betont Rippel. „Es sorgt dafür, dass sich eine künftige Erholung der Nachfrage auch tatsächlich in einer höheren Kapazitätsauslastung der Stahlunternehmen in Deutschland und anderen EU-Mitgliedstaaten niederschlagen kann“, so die Verbandschefin.

Bildtext Allein im Juni 2026 wurden in Deutschland 2,9 Mio. Tonnen Stahl produziert, 9,5 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahresmonat.

Foto:Worldsteel