Rohstahlproduktion erholt sich leicht
Die Rohstahlproduktion in Deutschland hat sich im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum leicht erholt. So wurden in den ersten drei Monaten des Jahres rund 9,3 Mio. Tonnen Rohstahl produziert, ein Plus von neun Prozent.
Das meldet die Wirtschaftsvereinigung (WV) Stahl. Auch der März 2026 zeigte im Vergleich zum Vorjahresmonat mit einer Mehrproduktion von 7,5 Prozent (3,3 Mio. Tonnen) eine positive Entwicklung. Für Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der WV Stahl, ist das noch kein Grund zur Entwarnung. „Trotz der Zuwächse bei der Produktion bleibt die Lage in der Stahlindustrie weiter angespannt. Denn auf das Jahr hochgerechnet landen wir mit 37 Mio. Tonnen weiterhin unter der Schwelle von 40 Mio. Tonnen – dem Minimum für eine gesunde Kapazitätsauslastung in unserer Branche.“ Bereits 2025 war die Rohstahlproduktion in Deutschland mit 34,1 Millionen Tonnen historisch niedrig ausgefallen. Vergleichbare Werte wurden zuletzt während der globalen Finanzkrise 2009 erreicht.
Eine zuletzt beobachtete Stabilisierung der Marktversorgung basiert überwiegend auf Lageraufbau und nicht auf einer nachhaltigen Belebung der Nachfrage. Im internationalen Vergleich ist Deutschland unter den größten Stahlnachfragern seit 2017 um zwei Plätze zurückgefallen und belegte 2025 nur noch Rang acht. Zusätzlich verschärft ein anhaltend hoher Importdruck die Situation. Hintergrund sind wachsende globale Überkapazitäten im Stahlsektor, die laut OECD bis 2027 auf über 700 Mio. Tonnen ansteigen könnten – mehr als das Fünffache der gesamten EU-Rohstahlproduktion im Jahr 2025. „Vor diesem Hintergrund ist es ein wichtiger Schritt, dass die EU-Institutionen – Kommission, Parlament und Rat – nun ein wirksames Stahl-Handelsschutzinstrument verabschiedet haben. Für unsere Branche ist das überlebenswichtig“, betont die Verbandschefin. Handlungsbedarf sieht sie auch bei den Energiepreisen. Der jüngste Maßnahmenkatalog der EU-Kommission, Accelerate EU, setze hier an der richtigen Stelle an.
Für neue Impulse setzt die Branche auf Leitmärkte für emissionsarmen Stahl Made in EU.
Bildtext Die Rohstahlerzeugung liegt weiter unter der kritischen Grenze von 40 Mio. Tonnen.
Bild: WV Stahl

